Das Gesundheitsstartup eatappie: Von der Idee zum Versorgungsvertrag
Eine Kooperation eines Gesundheitsstartups mit der TK ist eatappie, eine digitale Hilfe bei Essstörungen. Zwei Frauen gründeten ein digitales Angebot in der Versorgung von Jugendlichen mit Magersucht und Bulimie. Ihr Ziel war von Anfang an, die App zu einem Medizinprodukt zu entwickeln. Bereits in den ersten Schritten bestand die deutliche Abgrenzung zu einem Lifestyleangebot.
Zahlen belegen: ein Drittel der psychischen Erkrankungen beginnen im Kindes- und Jugendalter. Dabei hat sich die Zahl der 10- bis 17-jährigen Patientinnen mit Essstörungs-Diagnose und stationärer Behandlung in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Gleichzeitig gibt es keine Digitale Gesundheitsanwendung (App auf Rezept) zu diesem Krankheitsbild.
Für junge Startups ist das ein klassisches Beispiel für eine Versorgungslücke und eine Chance, wirklich etwas zu verbessern. Vier Jahre nach Gründung ihres Unternehmens, hatten die beiden Gründerinnen den Vertrag mit der TK. Was ist also die Erfolgsgeschichte von eatappie?
Der Erfolg von eatappie: Zwei Wege zur Kooperation mit der TK
Die Gründerinnen von eatappie nutzten verschiedene Wege, um ihr Produkt bei der TK vorzustellen. Es gibt mehrere Optionen, sie entschieden sich für zwei zentrale Zugänge:
Schritt 1: Sie nahmen am Health-i Award teil. Dort stellten sie ihre bereits weit entwickelte App vor, knüpften wichtige Kontakte zu Expert:innen und Entscheider:innen aus dem Gesundheitswesen und machten sich sichtbar.
Schritt 2: Anschließend füllten sie den Steckbrief im InnovationsPortal der TK aus. Der Zeitpunkt war klug gewählt, da:
- die App marktreif war,
- die Bedingungen für das Innovationsportal erfüllt waren
- und die TK noch kein vergleichbares Produkt im Angebot für ihre Versicherten hatte.
Ergebnis: Auf dieser Basis konnte später ein Vertrag zwischen dem Gesundheitsstartup und der TK unterzeichnet werden.
Ob über einen Preis, ein Portal oder andere Netzwerke: Entscheidend ist, dass dein Produkt reif ist, gut ins Gesundheitssystem passt und eine Lücke im Angebot der Krankenkasse schließt.
Du willst das auch? Checke vorher folgendes ab
Der Weg in den ersten Gesundheitsmarkt wirkt von außen oft geheimnisvoll, ist er aber nicht. Wichtig: Du verstehst das aktuelle Gesundheitsgeschehen der Gesellschaft, kennst den gesetzlichen Handlungsauftrag der Krankenkassen und platzierst dich zur richtigen Zeit, zum Beispiel wenn dein Produkt marktreif entwickelt und digital auf die Versichertengröße der TK skalierbar ist. Dabei sind mehrjähriges Durchhaltevermögen und ein langfristiges Denken ausschlaggebend.
Das Startup eatappie zeigt, was notwendig ist: Die Identifikation eines echten Versorgungsproblems, eine klar definierte Zielgruppe und das Konzept zur Entwicklung eines Medizinprodukts.
Hier nochmal eine Checkliste im Detail:
- Erkenne den Sweet Spot:
Erkenne die Lücke aus Patientensicht und die Lücke aus Krankenkassensicht. Nutze Statistiken, Recherchen und deine Praxiserfahrung. Führe zudem Gespräche mit Expert:innen aus dem Gesundheitsalltag und hab ein Ohr für Beschwerden und Bedarfe. Informiere dich ebenso, welche Verträge und auch Innovationsfondsprojekte Krankenkassen schon geschlossen haben. Nutze die Schwerpunktthemen, wie z.B. Medienkompetenz und psychische Gesundheit bei eatappie, und blicke auf verfügbare digitale TK-Angebote.
- Definiere deine Zielgruppe präzise:
Lege fest, welche Nutzungssituation (z.B. Prävention, Verdachtsphase, Wartezeit, Nachsorge), welches Alter und/ oder welche Diagnose du adressierst.
- Plane deine digitale Lösung als Medizinprodukt:
Ein medizinisch geprüftes Produkt mit CE-Zertifizierung bildet die rechtliche Basis für Verträge nach dem Sozialgesetzbuch V (SGB V).
- Gestalte eine wissenschaftliche Studie:
Der Nutzen deiner Lösung liegt dann vor, wenn du die Wirksamkeit durch positive Effekte nachweisen kannst.
- Suche den Dialog mit der TK:
Nimm an Innovations-Wettbewerben (Health-i Award) teil, nutze das InnovationsPortal und präsentiere dich mit deinem Produkt.
Die Ideenentwicklung: Ein Tool als Hilfsangebot
Falls du bereits von Anfang an eine Idee entwickeln willst, die zu uns passt, dann nutze unser Health Product Wheel.
Das ist der rechtliche Rahmen
Was ist die Basis für eine Kooperation?
Die Techniker ist die größte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland. Wir sind offen für neue Lösungen in diesen Schwerpunktthemen. Wir schließen Verträge mit Gesundheitsstartups in der Versorgung und Prävention, wenn deren digitales Produkt fortschrittlich entwickelt ist. Zum Beispiel müssen Datenschutzansprüche erfüllt sein und bei einem Medizinprodukt das CE-Kennzeichen vorliegen. Zudem sollte eure Finanzierung bereits geregelt sein.
Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?
Für jede Kooperation, die zwischen einem Gesundheitsstartup und der TK geschlossen wird, braucht es eine gesetzliche Grundlage nach dem Sozialgesetzbuch V (SGB V). Wenn das Gesundheitsstartup und die TK einen Einzelvertrag schließen, gibt es mehrere Wege im SGB V. Hier findest du alle einfach erklärt unter Zugangswege II – Einzelverträge.
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